Schulchronik der
kath. Schule Kattenstroth II.

Eingerichtet und geführt von dem Lehrer Kaspar Plümpe;
für das Internet aufbereitet von den Lehrern
Karl-Heinz Jürgenpott, Helmut Neuhaus, Erwin Schröder
und Schülern/Schülerinnen des WP-Kurses "Webseiten erstellen"

 

Anmerkung: Etliche Textstellen der Schulchronik sind verlinkt worden bzw. sollen noch von Schülern/Schülerinnen verknüpft werden. Im Ursprungstext der Chronik tauchen diese Verknüpfungen natürlich nicht auf.
Es ist ferner geplant, den Text - soweit dies möglich ist - durch aussagekräftige Bilder bzw. Dokumente (z.B. aus dem Stadtarchiv, eigene Photos) zu ergänzen. Natürlich werden diese Abbildungen mit entsprechenden Quellenangaben versehen, die deutlich machen, dass es sich nicht um Bildmaterial aus der Schulchronik handelt.  

Abschnitt I

Der Schulort

Kattenstroth ist eine Bauerschaft und bildet heute mit der Bauerschaft Spexard die politische Gemeinde Kattenstroth-Spexard. Der Name Kattenstroth ist abgeleitet von Kotten und Busch; denn Katten heißt noch heute in Mecklenburg ein kleiner Kotten; Stroth ist ein Busch. K = Kottenbusch (also ein geographischer Name.) Die ältesten Nachrichten sind nur spärlich erhalten und sehr eng verknüpft mit der Geschichte von Gütersloh und Wiedenbrück. Die heutige Bauerschaft K. gehörte in alter Zeit zum großen Olbrock. Dieser Bezirk reichte bis vor die Stadt G. und diente als Gemeinweide lange Jahrhunderte hindurch. Er begann etwa 20 Minuten nordöstlich von Wiedenbrück und lag zu beiden Seiten des Ölbaches. Das Olbrock bestand aus Wald, Wiese und Weide und wurde benutzt zur Viehtrift, zur Plaggen- und Holzgewinnung. Holzrichter waren der Graf

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von Rietberg, der Vertreter des Bischofs von Osnabrück und der Abt in Marienfeld. Das Holzgericht wurde gehalten vor Schledebrücks Hofe. Teile des Olbrocks riß der Graf von Rheda an sich. Es bestand fort bis zum Jahre 1830. Damals wurde es aufgeteilt unter die Holzberechtigten. Von Jahr zu Jahr verschwindet der öde Charakter mehr, indem die moderne Landwirtschaft Hand daran gelegt hat. Ein alter Hof im Olbrock war Bultmanns Hof in der Nähe der Stadt Gt. an der alten Landstraße von Rheda. Hier wurde dem Landherren gehuldigt, wenn er seinen Besitz antrat. Die heutige Bauerschaft reicht im Norden bis an die Dalke, im Osten bis an den Sundern (Amt Gütersloh), im Süden an Spexard und im Westen bis an den Ölbach und das Gut Schledebrück. Die Grenze im Norden bildete zugleich die Grenze zwischen der Grafschaft Rheda und dem zum Bistum Osnabrück gehörenden Amte Reckenberg. Manche blutige Fehde


Gut Schledebrück

Eingang zum Gut Schledebrück (aufgenommen am 22.09.2000)


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ist hier zwischen den rhedischen und osnabrückischen Söldern ausgefochten worden. Um den Besitz unserer Bauerschaft u. der Stadt G. ist viel gestritten, bis endlich im Bielefelder Rezeß im Jahre 1565 die lange geschwebten Verhandlungen zum Abschluß gebracht wurden. Danach sollten die Bauerschaften Kattenstroth, Spexard und Avenwedde dem Bischof von Osnabrück erblich verbleiben, während das Dorf G. samt den Bauerschaften Sundern, Nordhorn, Blankenhagen und Pavenstädt dem Grafen Bentheim-Tecklenburg zu Rheda zufielen. (Der Hof Schledebrück gehörte zum Kloster Marienfeld bis 1803.) Die Grenzen wurden durch Schnat- oder Grenzsteine bezeichnet. Der Vogt des Bischofs wohnte auf dem Wöstmannschen Hofe in Spexard, der nach ihm heute noch den Namen 'Wöstvogtei' führt. In der Zeit der religiösen Wirren mußte hier von 1647 - 55 sich der seiner Wohnung beraubte Pfarrer Sprenger aufhalten. Ein großes Zimmer des Hauses, der 'Saal' war zu einer Kapelle eingerichtet. Die bunten

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Fenster waren ein Geschenk des Klosters Marienfeld. Die Streitigkeiten um die Kirche und die Pfarrgüter zu G. wurden von dem Bischofe und dem Grafen geregelt auf dem Hagener Rezeß 1655 (Hagen - Dorf bei Osnabrück) und damit das Simultanum eingeführt, das bis zum 11. August 1887 bestanden hat. Der 30jährige Krieg brachte der Gegend viele Schrecken und Leiden. Zwar lag in den ersten drei Jahren der Kriegsschauplatz weit entfernt, doch mit dem Einfalle Christians von Braunschweig begann die unruhige Zeit. Die Kaiserlichen, besonders hernach die Schweden brandschatzten das Land. Der siebenj. Krieg brachte viele Durchzüge der Truppen. Am 27. und 28. Juni 1757 lag in G. und Umgegend die franz. Armee in Quartier unter dem Marschall d'Estrees. Alles, was rings um G. auf den Äckern stand, wurde abgemäht und als Futter für die Pferde verwendet. Im Jahre 1758 kam der Herzog Ferdinand von Braunschweig mit

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seinem Heere von Bergen bei Frankfurt, von den Franzosen gefolgt, über Rietberg nach Gütersloh. Bemerkenswert ist ein Gefecht auf Schalücks Heide in der Nähe von Schledebrück am 1. Juli 1758. Fünf preußische Husarenschwadronen unter Narzinski besiegen zwei französische Husarenregimenter und verfolgen sie bis in die Gegend von Rietberg. 60 Mann werden niedergehauen, 73 Gefangene genommen, viele bleiben in dem Morast des Olbrocks stecken. In jener Zeit flüchteten die Leute vielfach Vieh und Korn in die Wälder. Eine sog. 'Kuhkuhle' wurde vor 30 Jahren noch gezeigt in der Nähe der Bergmannschen Wirtschaft. Nun kam die Franzosenzeit des vorigen Jahrhunderts unter Napoleon. Damals war unsere Gegend ein buntes Durcheinander vieler Ländchen. Ging man aus G. über die Dalke, kam man in osnabrücksches Gebiet. Hier an Billings Bachschem (Brücke) wurde der Zoll von allen eingeführten Waren erhoben. Der Zoll war an den Meistbietenden verpachtet.

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Der Weg nach Marienfeld führte hinter dem Hofe des Meiers zu Kattenstroth vorbei ins Münsterland. Das alte, ehrwürdige Kloster wurde 1803 aufgehoben. Die Vertreibung der Benediktinermönche geschah durch Blüchersche Husaren. Der Weg nach Norden führte in das Ravensberger Land, der nach Verl ins Rietberger Land. Im Jahre 1806 war das Amt Reckenberg vorübergehend preußisch geworden. Für den Kaufmann hatten die verschiedenen Münzwährungen, die Zollplackereien großen Nachteil. Napoleon brachte nun alle diese Ländchen unter seine Macht. Der Dalkebach bildete die Grenze des Königreichs Westfalen. Die Herrschaft Rheda wurde dem Großherzogtum Berg zugeteilt. Nun entwickelte sich hier an der Dalke ein großartiger Schmuggelhandel, dem Kaufmann in G. gewiß nicht unlieb. Nach der Schlacht von Leipzig kamen die Kosaken in unsere Gegend. Am 7. November kamen 5000 dieser wilden Reiter in das Dorf und

 

 

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