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reitstellen durfte, wenn der Etat dadurch nicht ins Wanken gebracht würde. Angesichts solcher Schwierigkeiten war auch eine Zwischenlösung in Erwägung gezogen, und zwar die Errichtung eines Schulpavillons. Diesen Gedanken hat man aber wieder fallen lassen. Schließlich schlug der Bürgermeister vor, das Baugeld aus den städtischen Rücklagen zu nehmen. Dieser Vorschlag fand bei den städtischen Körperschaften Zustimmung. Nun endlich war der Weg frei. - Dann sprach der Beigeordnete Jeremias dem Herrn Bürgermeister Thummes und dem Bauamt seinen Dank aus und übergab die Schule dem Schulleiter mit dem Wunsche, daß seine Arbeit u. die seiner Kollegen an der Gütersloher Jugend von reichstem Segen gekrönt sein möge.

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Herr Schulrat Andree, der nunmehr das Wort nahm, führte aus, es müsse alle, die an der Einweihung dieses Schulbaues teilnehmen, ein Gefühl der Freude beseelen darüber, daß in dieser trüben Zeit die Errichtung des Baues möglich geworden sei. Das Werk sei ein Zeichen gesunden Fortschritts. Auch in solch trüben Zeiten gebe es nur einen Fortschritt, den der Jugenderziehung. Er beglückwünsche die städt. Körperschaften und den Bürgermeister dazu, daß es ihnen, allen Widerwärtigkeiten zum Trotz, gelungen sei, die Schule zu bauen. Auch allen denen, die an dieser Schule tätig sein könnten, sprach er seine Glückwünsche aus. Im Namen der Schule sprach der Schulleiter den städt. Körperschaften herzlichen Dank für den schmucken Neubau aus. Dieser, in des Vaterlandes größter Notzeit errichtete Schulneubau sei ein Symbol dafür: Deutschland soll und darf nicht untergehen! Und für die Wieder-

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erstarkung unseres Vaterlandes habe die Volksschule ein wichtiges Stück Aufbauarbeit zu leisten; denn sie solle die Jugend zu brauchbaren Menschen und tüchtigen Staatsbürgern erziehen. Möge der Tag nicht mehr fern sein, wo Deutschland wieder geachtet u. gleichberechtigt neben den anderen Völkern stehe. Der Schulleiter schloß mit einem Hoch auf das Vaterland, worauf zum Abschluß der offiziellen Feier das Deutschlandlied gesungen wurde.

(Randbemerkung von R. Lewe: Einweihung der neuen Schule 22.11.1932)

Am 22. Novemb. fand die kirchliche Einweihung der neuen Schule statt. Des Morgens war ein feierliches Hochamt, um den Segen Gottes auf das neue Schulgebäude herab zu flehen. Gegen 9 Uhr zogen Schulkinder und Erwachsene in feierlicher Prozession vom Schulplatz des alten Schulgebäudes zum Neubau. Dort angekommen, sangen die Schulkinder das 2stimmige Lied: Mit dem

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Herrn fang alles an. Dann begann die feierliche Einsegnung seitens des Herrn Dechanten Strunz. Auf dem Schulflur war ein prachtvoller Blumenaltar aufgebaut, der beinahe bis unter die Decke reichte. Herr Schulrat Andree hatte es sich nicht nehmen lassen, auch an dieser Feier teilzunehmen. Herr Dechant Strunz schenkte der Schule für das 2te Klassenzimmer ein sehr schönes Kruzifix und prachtvolle Krippenfiguren zum Aufbau einer Krippe. Am 6. Januar veranstaltete die Schule eine Nikolausfeier. Durch zweistimmige Lieder, Gedichte und kleine Theaterstückchen gewann die Feier einen besonderen Reiz. Bei der Bescherung wurden vom Christkindchen wohl 160 Kinder bedacht. Auch waren die Erwachsenen zahlreich erschienen. Wegen zahlreicher Grippeerkrankungen unter den Schulkindern wurden alle Schulen geschlossen vom 27. Jan. bis 4. Febr.

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Am 1. April 1933 wurden 9 Kinder entlassen, 5 Knaben und 4 Mädchen.

Schuljahr 1933

Das neue Schuljahr beginnt am 1. Mai. Aufgenommen wurden 14 Kinder, 8 Knaben und 6 Mädchen. Die Zahl der Schulkinder beträgt am 1. Mai 103.

  Kl. I
(die 5 oberen Jahrg.)
Kl. II
(die 3 unteren Jahrg.)
Knaben 27 28
Mädchen 25 23
  52 51


Der diesjährige Schulausflug führte die Kinder u. eine große Anzahl der Eltern an den schönen Weserstrom. Gegen 6 Uhr morgens, bei herrlichstem Sonnenschein traten wir in zwei Autobussen die Fahrt an. Es ging zunächst über Bielefeld nach Bad Salzuflen. Ein Rundgang durch den Kurpark zeigte uns die wunderschönen Anlagen. Nach kurzer Rast setzten wir die Fahrt fort u. gelangten

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bei Rinteln an die Weser. Beim Anblick der vielen Schlepp- u. Personendampfer kamen die Kinder aus dem Staunen nicht heraus. Viele Kinder, die des Schwimmens kundig waren, nahmen auch ein erfrischendes Bad. Dann ging die Fahrt weiter über die Weserbrücke, an der Weser entlang bis nach Vlotho. Doch nicht lange konnten wir uns hier verweilen. Der Abend nahte, u. wir traten die Heimfahrt an über Herford, Bielefeld und Gütersloh. Es wird ein unvergeßlicher Tag für alle Teilnehmer sein. Auch in diesem Jahre veranstaltete die Schule wieder eine Weihnachtsfeier mit anschließender Bescherung. Diese Veranstaltungen finden bei der Elternschaft immer mehr Anklang. Das zeigt sich am besten bei der Aufbringung der Unkosten und der regen Beteiligung.

 

 

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