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Ferner wird der Schule überwiesen der Schüler Christ. Bettentrup aus Wiedenbrück, untergebracht beim Kötter Johannknecht. Die Schülerzahl steigt damit auf 75 am 1. November. Im Sommer des Jahres 1911 hatte der Lehrer auf eigene Kosten eine Veranda an die Nordseite des Hauses in den Schulgarten hinein gebaut. Der Bau gereicht dem Schulhause zur besonderen Zierde und gewährt für die Sommermonate den rechten Genuß des geräumigen Schulgartens. Die Baukosten belaufen sich auf 360 M. Davon wurden dem Lehrer durch Beschluß der Schuldeputation vom 8. Jan. 1913 250 M. zurückerstattet. Die Veranda wird dadurch Eigentum der Stadt Gütersloh. Ich spreche der Schuldeputation an dieser Stelle dafür meinen herzlichen Dank aus. Im August 1912 wurde das schadhafte Lehmpflaster der Scheunentenne durch ein Pflaster aus harten Klinkern ersetzt.

(Randbemerkung: Ges. 24.2.13 Ries)

1913

Die Entlassung der Schüler findet wegen des frühen Osterfestes am 19. März statt. Es werden aus der Schulpflicht entlassen 10 Schüler, davon einer mit 13 Jahren vorzeitig, Aloys Deppe, um die Rektorats-

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schule in Wiedenbrück zu besuchen. Die Aufnahme der Schulneulinge findet am 1. April statt. Es melden sich an diesem 8 schulpflichtige Kinder. In der 2. Schulwoche findet die ärztliche Untersuchung dieser Kinder durch Herrn Geheimrat Dr. Schlüter statt. Auf Anordnung des Magistrats wird für jeden neuen Schüler ein Untersuchungsbefund ausgestellt, der bei den Schulakten aufbewahrt wird. Am 1. Mai betrug die Schülerzahl 69. Nach den Herbstferien siedelt die Familie Ebert mit 5 Schülern nach Gütersloh über. Vor den Sommerferien macht die Schule eine Wanderung durch Spexard, am Varenseller Kloster vorbei nach dem Hofe Wittreck in Varensell, woselbst bei schönstem Wetter die Kinder auf den großen Wiesen nach Herzenslust sich tummeln können. Im weiteren Verlauf des Schuljahres bleibt die Schülerzahl unverändert. - Im Monat Oktober beantragen Herr Lehrer Meier und ich beim Magistrat, die beiden privaten ländl. Fortbildungsschulen von Sundern und Kattenstroth in eine obligatorische Schule umzuwandeln. Dieser Antrag

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wird von der Stadtverordnetenversammlung am 5. Nov. einstimmig angenommen. Das Ortsstatut verpflichtet alle in der Landwirtschaft beschäftigten jungen Leute für drei aufeinanderfolgende Winterhalbjahre. Das Unterrichtslokal befindet sich in der alten Töchterschule auf dem Schulhofe der ev. Bürgerschule. Es werden 2 Klassen eingerichtet, jede zählt 26 Schüler. Die Unterrichtsperiode dauert vom 5.Nov. bis zum 25. Februar und umfaßt 120 Stunden. Nachdem am 13. Februar der Herr Kreisschulinspektor die Schule geprüft hatte, erfolgte die erste öffentliche Schlußprüfung unter Teilnahme des Schulvorstandes unter dem Vorsitze des Kreisschulinspektors am 24. Februar.

(Randbemerkung: Ges. 27.2.14 Ries)

Schuljahr 1914

Das neue Schuljahr beginnt am 22. April. Nachdem am 31. März 11 Schüler entlassen sind, werden 13 Kinder schulpflichtig. Die Schülerin Maria Paschedag gnt. Holtkamp aus Spexard wird der

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Schule hier überwiesen, weil das Kind gelähmt ist. Die Schülerzahl beträgt am 1.5. 67. Andauernd krank an Knochentuberkulose ist die Schülerin Maria Wegstroth, die infolgedessen die Schule nicht besuchen kann. Auf besonderen Antrag der Schuldeputation wird vom Oberpräsidenten für den Außenbezirk von Gütersloh mit seinen ländl. Verhältnissen genehmigt, die geteilten Sommer- u. Herbstferien mit 4 bzw. 2 Wochen beizubehalten. Der Ausflug (23.7.) ging nach Schledebrücks Hof, es wurde Kaffee getrunken und gespielt. Die Sommerferien begannen am 25. Juli. Wegen des Krieges fehlte es an Arbeitskräften. Darum wurden die Ferien um zwei Wochen verlängert. Auch den Herbst- oder Kartoffelferien wurde eine Woche zugesetzt. Am 14. Oktober erhielt der Lehrer Plümpe seine Einberufung, er kam zum Res. Inf.-Reg. 15. Die Kinder blieben 8 Tage zu Hause. Da bestimmte die Schuldeputation, daß die Schüler auf die einzelnen Klassen der Schule Kattenstroth-Nord verteilt werden sollten. Dem widersetzten sich die Eltern.

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Es fand nun eine zwangsweise Zuführung statt. Die Eltern wandten sich an die Regierung in M. Diese verfügte, daß die Kinder den Unterricht in der eigenen Schule erhalten sollten. Der Lehrer Herrmann wurde beauftragt, an 5 Wochentagen je 4 Stunden Unterricht zu geben. An dem 6. Tage erhielten die Kinder 2 Std. Handarbeits- und 2 Std. Religionsunterricht, diesen durch den Pfarrer. Die neue Ordnung trat am 23.11. in Kraft. Schon in der 1. Woche traf von Kameraden des Lehrers Pl. die Nachricht ein, er sei am 17.11. beim Sturmangriff auf Ypern im Kampfe für das Vaterland gefallen. Eine amtliche Bestätigung traf nicht ein. In der Verlustliste wurde er als vermißt aufgeführt, seit dem Tage hat man nicht mehr von ihm gehört. Man glaubt nun, PL. sei in Gefangenschaft geraten. - Im Dezember erhielt der Pfarrer und Ortsschulinspektor Gabriel seine Berufung nach Witten. Er blieb bis Anfang Februar hier und zog dann fort. In der Schule fand eine kleine Abschiedsfeier statt. Den

(Eingeklebter Zeitungsausschnitt auf Seite 79: Feldpostbriefe)

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lieben Menschen, tüchtigen Seelsorger und guten Lehrer sahen alle nur ungern scheiden. Den Religionsunterricht übernahm nun Herr Kaplan Schulte. Der Herr Kreisschulinspektor war zugleich Ortsschulinspektor. Nach den Herbstferien verzog die Familie Degener, die Schülerzahl betrug danach bis zu den Osterferien 63. Am 27 März wurden 8 Kinder - 6 Knaben und 2 Mädchen - entlassen.

Schuljahr 1915

Das neue Schuljahr begann am 13. April. Es wurden 7 Kinder - 4 Mädchen und 3 Knaben - neu aufgenommen. Die ärztliche Untersuchung hatte schon in den Osterferien stattgefunden. Am 21. April wurde der neue Pfarrer - Herr Pfarrer Strunz (aus) Holsterhausen/Wanne feierlich eingeführt. Wegen der ernsten Zeit fand eine weltliche Feier nicht statt. Der Religionsunterricht wird durch den neuen Herrn erteilt. Die Schülerzahl betrug am 1. Mai 62. Nach den Pfingstferien wurde eine Schüle-

 

 

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