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Abschnitt II

Kapitel I

Die Schule

Die neue Schule liegt im südlichen Teile der Gemeinde Kattenstroth. Die weite Entfernung von der kath. Schule zu Gütersloh und die überfüllten Klassen dort veranlaßten die Schulgemeinde, sich mit der Bitte um Errichtung einer neuen Schule an die Königliche Regierung in Minden zu wenden. Der Bitte wurde bereitwilligst entsprochen, und die Königliche Regierung leistete zu den Baukosten einen erheblichen Zuschuß. Nach Prüfung mehrerer Bauplätze, - in Aussicht genommen waren ein Grundstück des Kötters Linnemann, eine Parzelle an der Chaussee beim Wirt Lütkewinkelmann und ein Heidegrundstück des Kolon Hellweg - entschied man sich im Schulvorstande für den jetzigen Platz. Angekauft wurde von dem Kolon Andreas Hellweg ein Hektar für 1 400 Mark. Der Platz liegt am Kreuzungspunkte der Landstraße von Gütersloh mit dem Hellweg. Das Schulgebäude steht auf der südöstlichen Spitze.

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Mit dem Bau wurde im Jahre 1901 begonnen. Gebaut ist die Schule von dem Bauunternehmer und Maurermeister Fritz Wideking zu Gütersloh. Bauleiter war der Königliche Baurat Rüchling zu Bielefeld. Nachdem der Bau beendigt war, stand die Schule leer bis zum 1. April 1903. Am 8. Februar berief die Königliche Regierung zu Minden auf seine Meldung hin den Lehrer Kaspar Plümpe zu Westerwiehe II in die Verwaltung der neuerrichteten Stelle. Am 31. März langte der Lehrer in seinem neuen Wirkungskreise an. Vom Schulvorstand waren anwesend die Herren Pfarrer Laurentius Becker und Kolon Feuerborn. Unter Mitwirkung der umwohnenden Leute wurde nun das Schulzimmer für den folgenden Tag der Einweihung ausgeschmückt. Der Herr Pfarrer stiftete das herrliche Kruzifix der Schule. Am folgenden Morgen, am 1. April erfolgte die feierliche Einweihung nach voraufgegangenem Hochamte in der Pfarrkirche. In feierlicher Prozession mit Meßdienern und Fahnen bewegten sich die der Schule überwiesenen

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Kinder mit dem Lehrer, die Eltern der Kinder, die Herren des Schulvorstandes zum neuen Hause. Die feierliche Einweihung wurde vorgenommen von dem Ortsschulinspektor Herrn Pfarrer Becker. Nach den üblichen Gebeten wurden sämtliche Räume des Hauses eingesegnet. Der Ortsschulinspektor begrüßte den neuen und zugleich ersten Lehrer mit herzlichen Worten in seinem neuen Wirkungskreise, richtete mahnende Worte an die Schüler und deren Eltern und versprach seinerseits, der neuen Schule stets ein warmer Freund zu sein. Der Lehrer dankte mit einigen Worten für den herzlichen Empfang und versprach, durch treue Pflichterfüllung das Vertrauen zu rechtfertigen, das man in ihn gesetzt habe. Damit fand die Feier ihren Abschluß und der erste Schultag im neuen Hause seinen Anfang. Der anfängliche Schulbetrieb war recht mäßig, es fehlte sämtliches Inventar. In der nächsten Zeit war die Hauptsorge des Lehrers darauf gerichtet, dasselbe zu beschaffen. Die Königl. Regierung hatte hierfür wiederum

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500 M bereitgestellt. Mit dieser Beihilfe wurde dann von der Schulgemeinde durch den Lehrer ein vollständiges und gutes Inventar beschafft. - Bei Eröffnung der Schule wurden ihr 71 Schüler überwiesen.

Schuljahr 1903

Am 16. April wurden neu aufgenommen 12 Schüler; mithin betrug die Zahl zu Anfang des neuen Schuljahres 83. Die Schule wird besucht von den Kindern im südlichen Teile der Bauerschaft Kattenstroth. Der Schulbezirk reicht im Norden bis zum Kötter Drücker am Wege nach Gütersloh, im Süden bis an den Knisterbach (mündet in den Ölbach), im Osten bis an die Bauerschaft Spexard, im Westen bis an die Wapel. Überwiesen wurden der Schule aus Spexard die Familien Netemeier und Bultmann, aus Sundern die Familien Ellermann und Österwinter. Erster Lehrer der Schule war der Lehrer Kaspar Plümpe aus Langenberg im Kreise Wiedenbrück, geb. am 18. September 1878. Derselbe erhielt seine Ausbildung im Lehrerseminar zu Büren von 1896 bis 1899. Nachdem derselbe vom 23. Februar 1899 tätig war in Lette, Varensell I und

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Westerwiehe II, berief ihn die Königliche Regierung zum 1.4.03 in die Verwaltung dieser neu errichteten Stelle. Am 30. September 1903 verehelichte sich derselbe mit Gertrud Wittreck aus Varensell bei Neuenkirchen, Tochter des Kolon Anton Wittreck, geboren zu Druffel am 20. April 1880. Möge der liebe Gott den Bund der beiden jungen Menschenkinder segnen. Das Einkommen der Stelle beträgt 1 300 M Grundgehalt, 160 M Alterszulage und freie Wohnung im Schulhause. Die Wohnung ist angerechnet für 360 M. An Ländereien sind etwa 75 a vorhanden, leichter öder Sandboden. Kreisschulinspektor war der Herr Schulrat Heinrich Rasche zu Wiedenbrück. Der Herr hat aber die Schule nicht mehr besuchen können, denn ein schweres Leiden hinderte ihn an der Revision. Trotz der schweren Krankheit, die den Herrn Kreisschulinspektor in den letzten Jahren befiel, übte er dennoch die Pflichten seines schweren Berufes mit seltener Ausdauer und Treue. Am 30. November 1903 trat er in

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den wohlverdienten Ruhestand, nachdem er 21 Jahre hindurch die Schulinspektion des Kreises verwaltet hatte. Nicht lange sollte er sich seines Ruhestandes erfreuen. Der Herr über Leben und Tod berief ihn am 4. Januar 1904 zu sich in den Himmel. Möge ihm dort der Lohn für sein treues Wirken zuteil werden. Wir Lehrpersonen werden ihm ein treues Andenken bewahren. Reqiescat in pace! (Randnotiz siehe nächste Seite) Ortsschulinspektor ist der Pfarrer zu Gütersloh. Bei der Gründung der Schule verwaltete dieses Amt der Pfarrer Laurentius Becker. Seinen Bemühungen ist die Gründung der Schule hauptsächlich zu verdanken. Der Herr bekundete stets ein großes Interesse für alle Schulangelegenheiten. Dreimal hat er die Schule besucht. Ein schweres Leiden setzte seinem tatenreichen Leben bald ein Ziel. Geboren zu Rösenbeck im Kreise Brilon, wirkte derselbe als Pfarrer hier vom 16. August 1887 bis zum 6. April 1904. Es möge kurz erwähnt werden, was derselbe für seine Pfarrei getan hat. Durch den Bau

Randnotiz auf Seite 55: Nachtrag. Mit der Vertretung der Inspektion wurde der Domkapitular Herr Dechant Kühlmann zu Verl beauftragt, der schon früher den beurlaubten Herrn Kreisschulinspektor vertreten hatte. Derselbe führte die Geschäfte bis zum 1. März. Dann wurde zum Kreisschulinspektor berufen der Herr Rektor Ries aus Limburg.

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des neuen Gotteshauses erhob er die Gemeinde zur kirchlichen Selbständigkeit, die sie seit dem Jahre 1655 hatte entbehren müssen. Das Gotteshaus schmückte er durch vollendete Kunstwerke der Malerei und Bildhauerei, von außen durch herrliche Parkanlagen. In der Nähe ließ er das Pfarrhaus und die Vikarie aufführen, während die ehemalige Pfarrwohnung zu einem Hospital umgeschaffen wurde. Seine Sorge für das Seelenheil seiner Pfarrkinder kannte keine Grenzen. Daher rührte auch die große Liebe und Verehrung, die ihm von diesen entgegengebracht wurde. Die eigentliche Anhänglichkeit zeigte sich aber erst bei seinem Tod und bei dem Begräbnis am 11. April. Ungezählte Leidtragende begleiteten die sterbliche Hülle des Entschlafenen zur letzten Ruhestätte. Diese fand er vor dem Chore des von ihm erbauten Gotteshauses. Seine dankbare Gemeinde setzte ihm zur bleibenden Erinnerung das herrliche Grabmal. Sein Andenken wird nie vergessen werden. Gott möge seinem treuen Diener den

 

 

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